Afrikanische Kunst und Kultur in Büchern

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Afrikanische Kunst als Ausdruck der grenzenlosen Weiten Afrikas


Als afrikanische Kunst werden Produkte bezeichnet, die sich aus zahlreichen verschiedenen Ethnien Schwarzafrikas zusammensetzen. Diese unterscheiden sich mitunter extrem von künstlerischen Werken anderer afrikanischer Kulturen, wie aus Maghreb oder den arabischen Staaten.


Die traditionell-afrikanische Kunst beinhaltet überwiegend aus Holz geschnitzte und handgefertigte Skulpturen, Figuren, Masken sowie andere Objekte, wie Speere oder Schilder.

Schmuck und Geräte der Kaffern. Lithografie von 1888 aus Völkerkunde von F. Ratzel.
Abbildung: Schmuck und Geräte der Kaffern. Halsband aus Perlschnüren, Kalebasse, Schurz aus Antilopenfell u.a.
Lithografie von 1888 aus Völkerkunde von F. Ratzel.

Die afrikanische Kunst beruht auf jahrhundertelange Traditionen. Allerdings sind kaum noch historische Kunstwerke mit traditionell-historischem Hintergrund vorhanden. Das afrikanische Klima sowie Umwelteinflüsse, die sich überwiegend auf Termiten und andere schädliche Insekten beziehen, verleihen der traditionell afrikanischen Holzkunst generell in afrikanischen Gefilden eine kurze Lebensdauer.


Die traditionell-afrikanische Kunst fand ihren Weg nach Europa erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Afrika- sowie Kunstliebhaber entdecken Gefallen an den Kunst-Werken, in denen die Kultur der verschiedensten Ethnien authentisch sowie traditionell wiedergegeben wird.


Die ältesten Werke sind überwiegend in den Händen von Sammlern sowie in Museen ausgestellt. Diese befinden sich sowohl in weiten Teilen Afrikas, als auch außerhalb dieses Kontinents. Der Kunstmarkt für traditionell afrikanische Kunst beinhaltet in der Regel Kunstwerke, deren Alter nicht mehr als 150 Jahre beträgt. Nur wenige Ausnahmen sind erhältlich beziehungsweise in Galerie-Ausstellungen oder Museen zu besichtigen.

Afrikanische Kultur. Kopfbedeckung der Bakuba, Trommel der Baluba, Fetischmaske der Bakuba u.a. Stich von 1893 aus dem Brockhaus Konversationslexikon.
Abbildung: Kopfbedeckung der Bakuba, Trommel der Baluba, Fetischmaske der Bakuba u.a.
Stich von 1893 aus dem Brockhaus Konversationslexikon

Traditionell afrikanische Kunst aus der Antike


Wer afrikanische Skulpturen oder geschnitzte Objekte aus Afrika in einer Galerie oder einem Museum betrachtet, findet darin in der Regel einen Bezug zu traditionell-afrikanischen Mythologien, Festen sowie Ritualen.


Afrikanische Skulpturen, Masken, Figuren sowie andere Objekte verweisen auf Ahnen und Götter, die in der Kunst weiterleben oder ihnen Ehre erweisen sollen. Überwiegend symbolisieren sie einen Schutz, der meistens gegen Böses sowie Krankheiten aktiv sein soll und die Fruchtbarkeit steigert. Insbesondere als Schmuck gefertigt, wird afrikanische Kunst zu Riten, Beschneidungen und zu Festen zur Ehrung von Göttern oder Verstorbener getragen. Zu dem traditionell afrikanischen Körperschmuck zählen bei Schwarzafrikanern vor allem Masken sowie Kopfaufsätze, Haarschmuck und Prunkstäbe. Ebenfalls gehören Thronstühle, Hocker sowie Grab-Statuetten und Ahnen-Figuren traditionell zu Afrika.


Die traditionell afrikanische Kunst Afrikas fand ihren Ursprung vor circa 8000 Jahren. Aus diesem Zeitalter fand man Felsritzungen, wie zum Beispiel Dabous Giraffen in der Niger Sahara. Die ersten Skulpturen und Figuren sollen circa 500 vor Christus von der nigerianischen Nok Kultur entstanden sein. Im Süden der Sahara nahmen auch Kunstwerke des alten Ägyptens Einfluss auf die traditionell afrikanische Kunst. Diese bezog sich überwiegend auf die abstrakte Wiedergebung von Tieren, Pflanzen und Naturformen.


Erst im 13. Jahrhundert wurden die Holzwerke um afrikanische Gebilde aus Messing und Bronze erweitert. Dies beruhte vor allem auf der Ausbreitung des Islams, durch den die Materialien Messing und Bronze auch in afrikanische Dörfer gebracht wurden. Diese wurden zahlreich mit afrikanischem Elfenbein oder mit Edelsteinen kombiniert.


Vor allem waren talentierte afrikanische Künstler in den Königshäusern vorzufinden, die speziell für das Königshaus Kunstwerke entwarfen und anfertigten. Eines davon ist zum Beispiel das Kreuz des Imperators Tewodros, der im 19. Jahrhundert in Äthiopien regierte. Das Kreuz ging als ein bekanntes Werk der frühen Hochkultur in die afrikanische Kunst-Geschichte ein.


In ganz Afrika sind zahlreiche Kunstzentren ansässig, in denen sich wahre afrikanische Kunstschätze befinden. Im afrikanischen Mali sind zum Beispiel die Skulpturen der Dogon und Bamana und in Guinea die der Baga zu sehen. An der afrikanischen Elfenbeinküste stehen die Skulpturen der Senufo sowie Dan und Baule in einer Galerie. Die Skulpturen von Bobo und Mossi sind in Burkina Faso und die Skulptur der Aschanti in einer in Ghana ansässigen afrikanischen Galerie zu besichtigen.

Insbesondere in Nigeria ist zahlreich alte Afrika-Kunst in Galerie- und Museums-Ausstellungen vorhanden. Darunter zählen Nok, Ife und Benin; die Skulptur der Yoruba, Ibo, Ibibio, Ijo, Ejagham, im Norden von Afrika die Kunst der Jukun, Chamba sowie Tiv.


Afrikanische Kultur. Kopfschmuck der Wanjamwesi, Schwert der Watuta, Kriegsmaske der Wasika u.a.  Lithografie von 1894 aus dem Brockhaus Konversationslexikon.
Abbildung: Kopfschmuck der Wanjamwesi, Schwert der Watuta, Kriegsmaske der Wasika u.a.
Lithografie von 1894 aus dem Brockhaus Konversationslexikon.

In Galerie- und Museums-Ausstellungen in der Republik sowie der Demokratischen Republik Kongo befinden sich die afrikanischen Skulpturen der Mbochi-Kuyu, Bembe, Batéké beziehungsweise die Skulpturen der Bakongo und Yombe, der Luba, Songye, Kuba, Luluwa, Pende, Yaka sowie Lega. Die Skulptur Chokwe ist in Angola zu Hause, während im afrikanischen Kamerun die Skulptur des Graslands ausgestellt ist.


In Gabun sind die Skulpturen der Fang, Kota, Kwele, Tsogo und Punu-Lumbo in Galerie- und Museums-Ausstellungen beheimatet.

Afrikanische Kultur: Korbdeckel Darfur, Pfeifenkopf der Batua, Fetisch der Baluba u. a . Stich von 1893 aus dem Brockhaus Konversationslexikon.
Abbildung:Korbdeckel Darfur, Pfeifenkopf der Batua,
Fetisch der Baluba u. a .
Stich von 1893 aus dem Brockhaus Konversationslexikon

Die Kunstgeschichte im Westen von Afrika


Einen großen Einfluss auf die afrikanische Kunst nahmen die verschiedenen Ethnien, die sich in den unterschiedlichen Regionen von Afrika befinden. Im Westen von Afrika zählt unter anderem die sudanesische Savanne zu einer der Regionen Afrikas, in der die islamische sowie europäische Kultur durch die Kolonisation die afrikanische Kunst beeinflusste. Dort ist die gefertigte Bildhauerkunst aus dem 19. Jahrhundert sowie aus vorangegangenen Zeitepochen nicht mehr vorhanden. Allerdings sind weiterhin Gruppierungen dort ansässig, welche an traditionellen Ritualen sowie Feierlichkeiten weiterhin festhalten. Die afrikanische Kunst wird angefertigt, um traditionelle Requisiten für derartige Anlässe verwenden zu können.


An der westlichen Seite des Niger in Afrika finden sich zwei unterschiedliche Ethnien, die sich in die Mandes sowie die Gur sprechende Ethnie einteilen. In der Mande Ethnie werden überwiegend Masken für besondere Rituale und Trauer-Zeremonien hergestellt. Diese beruhen auf einfache, geometrische Formen, wobei eine T-Form zwischen Nase und Augenbrauen sowie flache Wangen und hoch angesetzte Augenpartie typische Merkmale sind. Das natürliche Afrika-Holz ist entweder in seiner Ursprungsform beibehalten oder mit dunklen Farben überzogen. Ein weiteres Merkmal zeigt sich bei Ganzkörper-Figuren und Skulpturen, bei denen die Oberarme gerade am Korpus herunterhängen und nach vorne stark angewinkelt sind.


Die Gur sprechende Ethnie ist in Afrika überwiegend in Burkina Faso, Togo sowie Ghana ansässig. Für diverse Rituale und Begräbniszeremonien benutzen sie Objekte aus der Familie beziehungsweise dem Clan Besitz. Auf diese Weise stellen Afrika-Objekte eine Verbindung zwischen Riten und Familientraditionen dar. Dies kommt vor allem bei ihren Tänzen während der Zeremonien zum Ausdruck, bei denen Gesänge Familiengeschichten erzählen.

Afrikanische Völkertypen. Lithografie von 1894  aus dem Brockhaus Konversationslexikon
Abbildung: Afrikanische Völkertypen. Aschanti, Kameruner, Akka, Zulu u.a.
Lithografie von 1894 aus dem Brockhaus Konversationslexikon.

Entgegen der afrikanischen Skulpturen und Figuren der Afrika-Ethnien westlich des Nigers, bestehen die Masken der Gur sprachigen Ethnien aus schwarzen, weißen und roten Mustern. Diese werden vor jeder Zeremonie neu aufgetragen. Ein wesentliches Merkmal sind Kreise, die um die Augen führen sowie Masken, die horizontal verlaufen und die verschiedenen Eigenschaften von Tieren abbilden. Realitätsnah sind Schnitzereien der Afrika-Objekte und Figuren, welche die Haare der Frauen dieser Bevölkerung ähneln.


Ebenfalls in die westlichen Regionen fällt Djenne, eine Gegend in Mali. Djenne ist vor allem aufgrund einer großen Moschee sehr bekannt. Sie ist aus Lehm gebaut und zählt zum Weltkulturerbe.


In der Region von Djenne wurden zwischen dem 8. Und 17. Jahrhundert an verschiedenen Fundplätzen zahlreiche Bronze- und Tonfiguren gefunden. Diese Kunst besteht überwiegend aus Kulturen, Formen und Darstellungen, wie zum Beispiel Krieger mit ihren Pferden, weibliche und männliche Gebilde sowie ganze Gruppen von menschenähnlichen Kunst-Figuren. Auffallend in der traditionell gefertigten afrikanischen Handarbeit sind die Schlangen, welche zahlreiche afrikanische Kunst-Figuren ergänzen. Dies lässt darauf schließen, dass in Djenne eine Art Schlangenkult herrschte.


Die afrikanischen Skulpturen, Figuren und Objekte aus dieser Region sind vielfach in kniender oder hockender Position gehalten. Als Material wurde in der Regel Bronze benutzt, welches durch ein Wachsausschmelzverfahren kleinste und detaillierte Formungen von Armbändern, Glocken oder Pferdegeschirr erlaubte. Zusätzlich fand auch Terrakotta in der afrikanischen Kunst Verwendung. Vor allem in Segu war zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert Terrakotta ein wichtiges Material für Grabmäler. Während die Figuren- und Masken-Typen an traditionell gefertigte Werke von Djenne erinnern, zeigen sich die Segu Terrakotten in einem Kunst-Stil mit unterschiedlichen Darstellungen.


Eine weitere afrikanische Ethnie ist im Osten von Mali und dem Westen von Burkina Faso, in Dagon zu finden. Zu den Ureinwohnern zählen die Tellem, über die bis heute nicht viel in Erfahrung zu bringen ist. Während nicht zuordbare Skulpturen und Objekte der traditionellen Lehmbauten in Bandiagara als Kunst registriert wurden, so lassen sie sich dennoch nicht deutlich in die frühe Afrika-Kultur einsortieren. Die Masken sowie afrikanische Ritual-Objekte sind traditionell aus Holz hergestellt. Sie zeigen sich mit fantasievollen Verzierungen, die sich vor allem auf die Schöpfungsmythologie beziehen. Zu erkennen sind die afrikanischen Skulpturen und Masken überwiegend an eingearbeiteten, quadratischen Schmucknarben, die sich an den Schläfen befinden. Insgesamt präsentieren sich die afrikanischen Skulpturen und Masken aus Dogon, in einer statischen Struktur, die sich von den Terrakotta Kunst-Skulpturen von Djenne unterscheidet. Sowohl Dogon als auch Bandiagara gehören dem UNESCO-Welterbe an.


Eine wesentliche afrikanische Ethnien-Gruppe stellen die Bambara dar, welche der größten Mali-Bevölkerung angehört und rund 30% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Sie zählen zu der Mandingo Songhai Gruppe und sind bekannt für afrikanische Skulpturen und Masken, die sich weit über Afrikas Grenzen hinaus an großer Beliebtheit in Galerie- und Museums-Ausstellungen erfreuen.

Afrikanische Kultur. Kopfschmuck eines Hereroweibes, Wurfeisen der Lur, Dolch der Marutse u.a. Ein Stich von 1894 aus dem Brockhaus Konversationslexikon.
Abbildung: Kopfschmuck eines Hereroweibes, Wurfeisen der Lur,
Dolch der Marutse u.a.

Ein Stich von 1894 aus Meyers Konversations-Lexikon.

In Burkina Faso sind die Mossi beheimatet, welche die Hälfte der Bevölkerung dieser Region ausmachen. Dort sind traditionell gefertigte Schnitzarbeiten sowie Textilkunst breit gefächert und in großer Anzahl vorhanden. Aufmerksamkeit erhielt Mossi vor allem durch Web- und Batikarbeiten. Seit dem 12. Jahrhundert besteht diese Kultur und mit ihr die Schnitzarbeiten, welche in die ganze Welt getragen werden.


Für spezielle Masken, die als sehr kunstvoll und abstrakt gelten, lohnt sich ein Blick zu den Bobos beziehungsweise Bwas im westlichen Burkina Faso. Hier findet sich eine vielseitige afrikanische Kunst, die sich über geschnitzte Masken, Figuren, Bronzegüsse sowie Ton-Objekte erstrecken. Diese sind vor allem an ihren kräftigen Farben erkennbar.

Südwestafrikanische Waffen und Geräte. Lithografie  aus Die Naturvölker Afrikas von Friedrich Ratzel.
Abbildung: Südwestafrikanische Waffen und Geräte.
Dolch der Fan, Häuptlingsstock der Lunda, Fliegenwedel der Bangala u.a.

Lithografie (von 1885) aus "Die Naturvölker Afrikas" von Friedrich Ratzel.

Weitere afrikanische Ethnien Westafrika stammen von der nördlichen Elfenbeinküste aus Senufo, wo Web- sowie Batikarbeiten und traditionelle Schnitzkunst ebenso beheimatet sind, wie in den Kulturen aus Nuna, Hwela, Ligbi und Komo.


Eine Besonderheit findet sich bei den Gurunsis sowie Kassenas, die im nördlichen Ghana südlich von Burkina Faso zu Hause sind. Dort sind Fresken eine traditionelle Handwerkskunst der beheimateten Frauen, die mit ihnen ihre Lehmhäuser verzieren.


Ebenfalls in Ghana ansässig waren im 18. Jahrhundert die Lobi beziehungsweise Lobi Dagara. Hier haben afrikanische Schnitzkunst-Objekte ihren Ursprung, die in zahlreichen Galerie-Ausstellungen weltweit zu bewundern sind.


An der nördlichen und westlichen Guinea Küste sind vor allem bei Sammlern und Galerie-Ausstellern die Kulturen der Soninken und Baga wichtige afrikanische Ethnien, die heute noch großen Einfluss auf die afrikanische Kunstgeschichte nehmen. Die Soninken sind an der Atlantikküste Mauretaniens ansässig und bekleiden eine afrikanische Gruppe, die vor allem zwischen dem 7. Und 10. Jahrhundert einzigartige afrikanische Skulpturen, Masken und Objekte in Schnitzarbeit traditionell anfertigten. Selten sind Kunst-Objekte aus dieser Epoche in Museen oder Galerie-Ausstellungen zu sehen.


Als weitere Kulturen aus dieser Region sind Mende, Kissi, Sapi in Sierra Leone, Bassa sowie Loma und Grebo namentlich in der afrikanischen Kunstszene bekannt.


Zwischen der Elfenbeinküste und Liberia ist die Dan-Kultur zu Hause. Sie beinhaltet zahlreiche Untergruppierungen, die sich bis nach Guinea und Sierra Leone erstrecken. Aus diesem Kulturkreis stammen vor allem Schnitzwerke, Masken und Figuren.

Afrikanische Kultur. Zieraxt, Amulett, Messingstab u.a. Ein Stich von 1894 aus dem Brockhaus Konversationslexikon.
Abbildung: Zieraxt aus dem Manganjagebiet, Amulett aus Ubudschwe, Messingstab der Ogboni von Lagos u.a.
Ein Stich von 1894 aus Meyers Konversations-Lexikon.

Ethnien von der südöstlichen Elfenbeinküste sind traditionell auf Schnitzereien spezialisiert.


Das Volk der Akans aus dem süd-östlichen Ghana ist vor allem für ihre Goldschmiedekunst und Töpferei bekannt.


Im Königreich Benin befindet sich die Yoruba Ethniengruppe. Die Yoruba zählen zu den größten ethnischen Gruppen Afrikas und blicken auf eine 2.500 alte Bildhauer-Tradition zurück. In Galerie- und Museums-Ausstellungen sind neben der Holz-Kunst vereinzelt Elfenbeinschnitzereien, Gelbgusswerke und Handarbeiten aus Perlen zu finden.


In den Sumpfgebieten der Küste von Guinea leben die Margaretner, die eine der bedeutendsten Kunstwerke, die Nimba Maske, kreierten. Diese steht für die Fruchtbarkeit und findet speziell in Zeiten der Ernte Verwendung. Sie ist aufwendig gearbeitet und kann bis zu über 60 Kilogramm wiegen. Dabei handelt es sich um eine Masken-Büste, die speziell zu besonderen Anlässen mit einem Rock geschmückt wird. Dieser besteht in der Regel aus natürlichen Pflanzenfasern. Ein besonderes Merkmal ist ein überdimensionaler Kopf, dem im Gesichtsbereich eine hakenförmige Nase eingeschnitzt ist. Die große Maske besitzt zwei Löcher zwischen den Brüsten, sodass der Träger hindurch gucken kann.


An der östlichen Guineaküste ist eine der bekanntesten Kulturen Zentral-Nigerias mit den ältesten Kunstschätzen Schwarzafrikas angesiedelt: die Nok.


In Galerie- und Museums-Ausstellungen sind Nok-Kunstwerke zwischen den Jahren 500 vor Christus und 200 nach Christus zu besichtigen. Käufliche Terrakotten-Werke werden auf dem Kunstmarkt vielfach für mehrere Tausend Euros gehandelt.


Typisch für diese afrikanische Kunst sind Menschen- und Tierdarstellungen sowie Augen in unnatürlichen Formen mit eingeschnitzten Vertiefungen als Pupillen. Individuelle Gestaltungsmerkmale wie Bärte, Schmuckaccessoires, ausgefallene Frisuren sowie eine Kopfbedeckung sind ebenfalls Merkmale für afrikanische die Nok-Kunst. Auffallend sind bei alten Werken ebenso unebene, körnige Metalloberflächen, die durch Erosion bedingt sind.


Nordwestafrikanische Waffen und Geräte. Lithografie aus Die Naturvölker Afrikas von Friedrich Ratzel.
Abbildung: Nordwestafrikanische Waffen und Geräte.
Lanze der Mandingo, Holzfächer der Old Calabar, Maske der Dahomey u.a.

Lithografie (von 1885) aus "Die Naturvölker Afrikas" von Friedrich Ratzel.

Zeitgenössische afrikanische Kunst


Neben traditionell kreierten Skulpturen und Figuren aus der Antike, ist die afrikanische Kunst auch in der zeitgenössischen Epoche nicht wegzudenken. Zeitgenössische Künstler für afrikanische Skulpturen, Objekte, Masken und Figuren sind mittlerweile in der ganzen Welt ansässig.


Zu den erfolgreichsten internationalen zeitgenössischen Künstlern afrikanischer Herkunft, zählen unter anderem Manuela Sambo aus Angola und Zarina Bhimji, die sowohl in Uganda als auch in Großbritannien zu Hause ist. Mbongeni Bthelezi aus Südafrika, Mo Edoga aus Nigeria und Deutschland sowie William Kentridge aus Südafrika, Ghada Amer, ein Ägypter aus den USA und Frederic Bruly Bouabre von der Elfenbeinküste, sind weitere Beispiele.


Aufgrund der großen Aufmerksamkeit, die heutzutage auch der afrikanischen Kunst gewidmet wird, werden in Dakar sowie im südafrikanischen Johannesburg Kunst-Biennalen veranstaltet. Die Beteiligung findet internationales Interesse. Ausgerichtet werden die Kunstbiennale in Johannesburg sowie die Documenta 11 Galerie-Ausstellung in Kassel. Diese werden von dem aus Nigeria stammenden und in New York sowie Mexiko-Stadt lebenden Kurator Okwui Enwezor ausgerichtet.

Würdenträger der Babende. Aus Sitten der Völker von Buschan.
Abbildung: Würdenträger der Babende (Geheimgesellschaft).
Aus Sitten der Völker (1920) von Buschan.

Hier ist afrikanische Kunst zu finden


Zu den bedeutendsten Museen für afrikanische Kunst zählen im deutschsprachigen Raum vor allem das Museum Rietberg in Zürich sowie das Museum der Völker, im Tiroler Schwaz in Österreich. In Belgien ist das Königliche Museum für Zentralafrika in Tervueren ebenso einen Besuch wert, wie das Afrika Museum, Berg en Dal in den Niederlande und das Pariser Museum Quai Branly.


Einer der größten Ausstellungen zeigt die Galerie im Iwalewa Haus in Bayreuth vom 25.03.2016 bis 25.05.2016.


Eines der größten Auktionshäuser für afrikanische Kunst ist in Zemanek-Münster zu finden, die jährlich eine Tribal Art Auktion eröffnen. Hier geben sich Galerie-Aussteller, Sammler sowie afrikanische Kunst-Liebhaber aus aller Welt die Ehre.


Regelmäßig sind auch afrikanische Kunstwerke und Objekte aus Privatsammlungen zu ersteigern, wie zum Beispiel von Hans Rielau, der ebenfalls afrikanische Werke auf der Tribal Art Auktion zur Ersteigerung anbietet.


In der Fachliteratur empfiehlt sich unter anderem ein Blick in die Jubiläumsausgabe 10/2015 der Zeitschrift Kunst & Kontext, in der die afrikanische Kultur einen hohen Stellenwert zeigt.


Ein neues Buch ist erst vor kurzem von Markus Ehrhard erschienen. Es trägt den Titel "Wenn Neuordnung Ordnung schafft" und beschäftigt sich mit der Ästhetik afrikanischer Plastiken. Zusätzlich beinhaltet das Buch eine tiefgründige Dokumentation über afrikanische Kunst-Objekte.


Afrikanische Bekleidung. Lithografie aus Le Costume Historique von M. A. Racinet
Abbildung: Stammeskleidungen.
Lithografie aus Le Costume Historique (1876-78) von M. A. Racinet

Afrikanische Kunst und ihr Stellenwert im deutschsprachigen Raum


In den vergangenen Jahren hat sich insbesondere in Deutschland eine große Kunstszene für afrikanische Objekte und Figuren gebildet. In Südafrika, Uganda und Angola hat sich eine Generation aus Künstlern und Galerie-Ausstellern gebildet, die einen großen Einfluss auf die Kunstszene im deutschsprachigen Raum nimmt.


Vor allem die zeitgenössische Kunst weckt zunehmend das Interesse der Deutschen und umliegenden Nachbarn. Seitdem auf der "Kunstmesse Frieze" ein traditionell gefertigtes Werk des aus Afrika stammenden Künstlers Georges Adéagbo gekauft wurde, ziehen nun auch Museen in Frankfurt, Köln und Düsseldorf in Erwägung, ihr Sortiment um afrikanische Kunst zu erweitern.

Afrikanische Krieger und Stammesführer. Aus Le costume Historique (1876-78) von M. A. Racinet
Abbildung: Lithografie afrikanische Krieger und Stammesführer.
Aus Le costume Historique (1876-78) von M. A. Racinet)

Gruppierungen von Sammlern vergrößern sich und afrikanische Kunst besitzt bereits in zahlreichen Haushalten einen festen Platz. Kontinuierlich nimmt die Anzahl der Galerie-Aussteller zu, die Gefallen an afrikanischer Kunst vor allem aus der zeitgenössischen Epoche finden.


Die "Tate Modern" in London hat sogar im Jahr 2011 eine Partnerschaft mit der "Guaranty Trust Bank" in Nigeria abgeschlossen, die der Förderung zeitgenössischer afrikanischer Kunst-Objekte gilt.


Langfristig wird die afrikanische Kunst im deutschsprachigen Raum einen wesentlichen Beitrag zur Kunstszene beitragen. Sie wird zu einem festen Bestandteil werden, der Alt und Jung begeistert sowie zahlreiche Sammler hervorrufen wird.


Falschinterpretationen afrikanischer Kunst


Afrikanische Kunst wird fälschlicherweise nicht selten als mysteriös interpretiert, von der Böses ausgeht. Mimiken können in den Skulpturen und Figuren streng und ohne positiv ausstrahlende Wesenszüge wirken. Kenner wissen jedoch, dass die zeitgenössischen Skulpturen, Figuren und Objekte sowie alte, afrikanische Kunst auf einem Bitten an die Götter und Ahnen für Gutes basieren. Ob Fruchtbarkeit, eine reichhaltige Ernte, Gesundheit oder Glückseligkeit, dies sind Bestandteile, welche durch die Masken, Skulpturen, Objekte und Figuren der verschiedenen Ethnien Afrikas den Bittstellern geschenkt werden sollen. Böse Mächte spielen in den Darstellungen afrikanischer Kunst in den Skulpturen, Masken und Figuren keine Rolle.


Fälschungen afrikanischer Kunst


Dort, wo vor allem seltene Kunstwerke über hohe Werte und kontinuierliche Wertsteigerungen verfügen sowie die Nachfrage zunimmt, sind auch Fälschungen nicht weit. So haben sich mittlerweile auch Spezialisten als Fälscher von afrikanischen Skulpturen, Masken, Objekten und Figuren organisiert.


Klassische Anzeichen, die auf die Echtheit alter Kunstwerke aus Afrika schließen lassen, sind gleichmäßige Abnutzungserscheinungen und Gebrauchsspuren auf der Oberfläche. Doch vor allem im europäischen Raum können Fälscherexperten dies zahlreich so nachstellen, dass ein Laie eine Fälschung nur schwer von einem echten Kunstwerk unterscheiden kann.


Um stets auf Nummer sicher zu gehen, können sich Interessenten für die Echtheit afrikanischer Kunstwerke an einer Art westlichen "Stammbaums" orientieren, bei dem die Herkunft eines Werkes lückenlos dokumentiert ist. Wenn wertvolle afrikanische Kunstwerke aus den Händen von bekannten Ausstellern, Museen und Sammlern stammen, ist in der Regel von der Echtheit eines Exemplars auszugehen. Diese haben allerdings auch ihren Preis, wie zum Beispiel die Mfondo-Maske. Ihre Herkunft ist bis in die 60er Jahren zurückzuverfolgen. Hier zählte sie zu dem Besitz des international bekannten Sammlers Karel Timmermans. Ihr Wert wird heute auf rund 40.000 Euro geschätzt.


Wer sich für afrikanische Kunst interessiert und keinem gefälschten Objekt zum Opfer fallen möchte, kann sich zusätzlich umfassend in hochwertigen Fachliteraturen informieren.